Tiere an Emscher und Lippe – Teil 1: Walachenschafe

Tiere an Emscher und Lippe – Teil 1: Walachenschafe

Entlang Emscher und Lippe leben zahlreiche Tierarten. Für uns Grund genug, ihnen mal eine Themenwoche zu widmen! Los geht es heute mit Walachenschafen, die Anfang Juni an den Emschermündungshof gezogen sind.

Trotzig wirft sich Zilly zu Boden. Das Walachenschaf mit den gewundenen Hörnern wehrt sich mit Händen und Klauen. „Wer sich hinschmeißt, kann eben nicht gezogen werden“, sagt Manfred Fengels trocken. Gerade erst hat der Voerder seinen Transporter geöffnet und entlässt eine kleine Schafherde in ihr neues Zuhause – Zilly voran. Eine große saftige Wiese, gepachtet von Familie Fengel, wartet hinter dem Emschermündungshof. Das zickige Jungtier lässt sich von dem schmackhaften Futter aber noch nicht so recht überzeugen und will vorerst in Gesellschaft der Herde bleiben. Schließlich lässt es sich doch noch aus dem Hänger locken und macht ein paar Bocksprünge hinein ins hohe Gras.

Walachenschafe sind vom Aussterben bedroht

Weit kommt die einjährige Schafdame hier jedoch vorerst nicht. Erst soll sie noch für ein Foto posieren, dass die Fengels ihrer künftigen Besitzerin schicken wollen. „Zilly geht bald nach Niedersachsen, und wir bekommen im Gegenzug einen Bock dafür“, erklärt Anja Fengels. Der Austausch hat einen guten Grund: „So sorgen wir für eine gute Mischung des Genpools und vermeiden Inzucht.“ Gesunde Nachkommenschaft der Tiere ist den Fengels sehr wichtig. Sie sind nicht nur Hobbyzüchter, sondern setzen sich gleichzeitig für die Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen in Nordrhein-Westfalen ein. Zu denen zählen auch die Walachenschafe. Die genügsamen kleinen Tiere, die ursprünglich aus der tschechischen Walachei stammen, liefern wenig Fleisch, Milch und Wolle. Darüber hinaus eignet sich die Wolle nur zum Filzen. So investierte der Mensch wenig in ihren Fortbestand und bevorzugte wirtschaftlichere Rassen.

Das einjährige Jungschaf Zilly. Foto: Katrin Schnelle

Das einjährige Jungschaf Zilly. Foto: Katrin Schnelle

Schafe einfangen? Mission impossible!

In der Zwischenzeit haben auch die anderen sieben Schafe – Mütter und Jungtiere – den Transporter verlassen. Blökend rennen sie in die saftige Wiese. Da gibt es natürlich auch für Fotomodell Zilly kein Halten mehr: Sie reißt sich samt Führstrick vom Zaun los und folgt ihrer Herde. Schnell sind die kleinen Schafe restlos in dem hohen Bewuchs verschwunden. „Die sehen wir jetzt bis Weihnachten nicht mehr“, seufzt Fengels. Nichtsdestotrotz muss Zilly noch von Halsband und Strick befreit werden. Wir versuchen alle gemeinsam, die Tiere wieder einzufangen. Das erscheint völlig unmöglich – wir stapfen von links nach rechts durch das kniehohe Gras, und immer sind die Schafe schneller. Endlich gelingt es Tochter Sophia Fengels, die Herde unter ein kleines Bäumchen zu treiben und Zilly die lästigen Fesseln abzunehmen.

Schließlich siegt der Fresstrieb - die Herde ist eingefangen! Foto: Katrin Schnelle

Schließlich siegt der Fresstrieb – die Herde ist eingefangen! Foto: Katrin Schnelle

Emschermündungshof ist dauerhaftes Zuhause

Die acht Walachenschafe werden dauerhaft und ganzjährig am Emschermündungshof bleiben. Das Gras reicht aus, um die Tiere bis in den Winter zu versorgen. Wenn es zuschneit, wird Heu zugefüttert. Alle zwei bis drei Tage wird Manfred Fengels nach dem Rechten schauen und die Tränke kontrollieren. „So, jetzt sind sie aber erst mal versorgt und werden sich langsam die Wiesenränder entlangfressen“, sagt er. Die Ansiedlung ist geglückt!

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