Das gehört nicht ins Abwasser, Teil 2

Das gehört nicht ins Abwasser, Teil 2

Auch Drogen gehören nicht ins Abwasser – und da gibt es von Stadt zu Stadt jede Menge Unterschiede….
Jede Menge Unterschiede gibt es bei den Konzentrationen von Kokain, Cannabis und Methamphetamin (Crystal Meth) und Amphetamin (Speed), die im Abwasser von europäischen Städten gefunden wurden. Im Rahmen einer groß angelegten Studie werden jedes Jahr Messergebnisse veröffentlicht; die Werte von 2016 gingen im Dezember nochmal groß durch die Presse. Wie immer gab es „Spitzenreiter“ und diesmal traf es völlig überraschend auch Dülmen im Münsterland, wo mit 177 Milligramm je 1000 Einwohner am Tag die höchste Konzentration für Amphetamin in Deutschland und nach Antwerpen die zweithöchste in Europa gemessen wurde.

„Kann das überhaupt sein?“ fragte nicht nur ich mich. Auch Journalistenkollegen von Zeitungen, Sendern und Pressestellen suchten nach Erklärungen – warum gerade Dülmen? Dass daneben die Großstadt Dortmund den höchsten Wert in Deutschland für Kokain erreichte (aber dabei weit hinter London, Amsterdam und Co. blieb), war da nicht ganz so überraschend.

Auf unserer Emscher-Kläranlage Dortmund-Deusen zeigten Abwasserproben einen hohen Kokaingehalt.

Ich habe jetzt nachgeforscht, wie diese Ergebnisse überhaupt zustande kommen. Schließlich liefern wir als Emschergenossenschaft für Dortmund und als Lippeverband für Dülmen die Abwasserproben. „Wir haben dafür einen automatischen Probenehmer, der entnimmt das Abwasser hinter dem Rechen und dem Sandfang“, weiß Helmut Wissing, unser Klärmeister in Dülmen, der die Abwasserproben am Zulauf der Kläranlage gewinnt, „damit sind die Störstoffe raus“. Störstoffe, das sind zum Beispiel die ekligen Feuchttücher aus unserem gestrigen Blog-Beitrag, aber auch Sand von der Straße.

Sieht aus wie ein großer Kühlschrank: der Probenehmer auf unserer Kläranlage Dülmen.

 

Hinter der Tür steckt jede Menge Technik. Fotos: Helmut Wissing

Ist es nun so, wie eine Boulevardzeitung neulich getextet hat „Dülmen ist deutsche Speed-Metropole“? Ich meine nein – auch wenn sich kein Hinweis auf andere Quellen gefunden hat (so dürfen in Medikamenten keine Amphetamine verwendet werden!). Denn zunächst mal werden im „European Drug Report“ nur die Städte verglichen, von denen überhaupt Proben vorliegen. Das sind in Deutschland neben Dortmund und Dülmen noch Dresden, Berlin und München. Dülmen ist also die einzige kleinere Stadt – und da spielt der Faktor Zufall eine starke Rolle. Weil die Konzentration pro 1000 Einwohner verglichen wird, schlägt es z. B. viel mehr durch, wenn am Wochenende 50 Leute nach Dülmen kommen, die Speed nehmen, als die gleiche Zahl in Berlin. Und wir wissen überhaupt nicht, ob Dülmen im Vergleich zu anderen mittelgroßen Städten besonders hoch liegt.
Bleibt eine bange Frage: Kann man durch Drogen im Wasser „high“ werden oder gesundheitlich Schaden nehmen? Unsere Fachleute konnten mich da zumindest in dem Punkt beruhigen: Eine bedenkliche Drogen-Konzentration im Trinkwasser besteht nach heutigem Wissensstand nirgendwo in Europa. Noch wenig erforscht sind die Auswirkungen auf die Ökosysteme der Gewässer. Fische können diese Stoffe durchaus aufnehmen – und mit der Zeit anreichern!
Leider gibt es hier keine einfache Lösung – Drogen-Konsumenten den Gang auf die Toilette zu verbieten, ist jedenfalls keine….

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