Tief im Westen … sind die Strukturen verstaubt?

Tief im Westen … sind die Strukturen verstaubt?

Auf der Fachtagung „Tief im Westen … sind die Strukturen verstaubt? Neue Governance-Modelle für das Revier“ wurde darüber diskutiert, wie man zukünftig gemeinsam das Ruhrgebiet gestalten kann.

Das Ruhrgebiet wandelt sich. Der Regelbetrieb auf Prosper-Haniel ist bereits eingestellt. Gleichzeitig werden mit Projekten wie dem Emscher-Umbau die Schäden beseitigt, die die Industrialisierung verursacht hat. Das Revier streift sein altes Image allmählich ab, denkt sich neu. Das Einschlagen neuer Wege eröffnet Perspektiven, birgt zugleich aber auch neue Herausforderungen. Wie werden wir zukünftig im Ruhrgebiet arbeiten und wohnen? Wie kann sich die Region mit ihren zahlreichen Universitäten noch stärker zu einer Wissensregion entwickeln? Und wie lässt sich Mobilität in einer Metropole mit 5,1 Millionen Einwohnern innovativ gestalten?

„dieZeichner“ haben die Veranstaltung im Bild festgehalten. Foto: Agnes Sawer/EGLV

Neue Impulse für das Ruhrgebiet
Diese Fragen standen im Fokus der Fachtagung „Tief im Westen … sind die Strukturen verstaubt? Neue Governance-Modelle für das Revier“, die heute an der Ruhr-Universität stattfand und von unserer Emschergenossenschaft in Kooperation mit dem Kompetenzfeld Metropolenforschung der Universitätsallianz Ruhr organisiert wurde. Im letzten Jahr haben wir auf einer gemeinsamen Konferenz die Vorteile des Emscher-Umbaus für die Gesundheit der Menschen beleuchtet. In diesem Jahr standen politikwissenschaftliche Fragen und Governance-Strukturen im Vordergrund. Im Zentrum die Frage: Wie können die großen Zukunftsthemen des Reviers künftig angegangen werden? Zu drei Themenblöcken („Arbeiten – Wohnen – Leben“, „Wissensregion“, „Mobilität“), wurden Experten eingeladen, die in ihren Vorträgen die Zukunft des Ruhrgebiets und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten thematisierten.

Die Zukunft gemeinsam gestalten
„Wir müssen gemeinsam nach vorne und neue Handlungslogiken entwickeln, die langfristig wirken“, betonte unser Vorstandsvorsitzender Dr. Uli Paetzel, der sich in seinem Vortrag für mehr städte- und institutionsübergreifenden Kooperationen aussprach. Gerade der Emscher-Umbau und die Projekte, die im Kontext der Umgestaltung des Flusses und seiner Nebenläufe initiiert wurden, zeigen, dass komplexe Erneuerungsprozesse nicht von Einzelnen gestemmt werden können, sondern gemeinsam gemeistert werden müssen. Die Umgestaltung der Emscher ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie radikal der Wandel im Ruhrgebiet gestaltet werden muss, damit es auch weiterhin als Metropole bestehen kann. „Wir brauchen große Lösungen für das Revier, eine Infrastruktur, die die Themenfelder unserer Region bewegt“, so Paetzel. Paetzel machte auch darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, gerade jetzt in Zeiten, in denen rechtsextreme Tendenzen die demokratische Idee bedrohen, Lösungen zu finden, die das Vertrauen in unsere Strukturen und Werte stärken.

Dr. Uli Paetzel von EGLV spricht über die Gestaltungsmöglichkeiten des Ruhrgebiets. Foto: Agnes Sawer/EGLV

„Arbeiten-Wohnen-Leben“, „Wissensregion“ und „Mobilität“  – Neue Herausforderungen für das Revier
Am Beispiel der Themen „Arbeiten-Wohnen-Leben“, „Wissensregion“ und „Mobilität“ diskutierten Experten zusammen mit dem Plenum die Perspektiven des Ruhrgebiets und Gestaltungsmöglichkeiten. Im Fokus stand die Frage nach einer noch besseren Zusammenarbeit, die über Stadtgrenzen hinausgeht und institutionsübergreifend stattfindet. Das Ruhrgebiet hat viel Potenzial – das wurde von den Referenten hervorgehoben. Es weist nicht nur ein steigendes Wirtschaftswachstum auf, wie Rasmus C. Beck von der Business Metropole Ruhr betonte, es ist auch die stärkste Hochschulregion Deutschlands, was auch wiederum Einfluss auf regionalökonomische Entwicklungen hat, erklärte Professor Bernd Kriegesmann von der Westfälischen Hochschule. Ein Problemfeld, das heute immer wieder angeprochen wurde, ist der öffentliche Personennahverkehr. Professor Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum zeigte in seinem Vortrag die Herausforderungen auf, mit denen das Ruhrgebiet konfrontiert ist. Josè Luis Castrillo vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ging auf die hier bereits gemachten Fortschritte ein und veranschaulichte, an welchen Lösungen noch gearbeitet werden muss.

Die Tagung zeigte, dass im Ruhrgebiet noch vieles zu tun ist – die Transformation ist noch nicht abgeschlossen. Aber wir sind auf einem guten Weg, wenn wir das Potenzial der Region ausschöpfen und kooperativ die Zukunft gestalten. Dazu muss nicht nur das Ruhrgebiet, sondern auch die Art und Weise, wie wir es formen, neu gedacht werden – so das Fazit der Tagung „Tief im Westen … sind die Strukturen verstaubt?“

Am Ende haben alle Referenten ein gemeinsames Commitment für die Zukunft des Reviers unterschrieben. Foto: Agnes Sawer/EGLV

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…: dieZeichner haben die Inhalte der heutigen Tagung visuell veranschaulicht. Ein Schaubild, das unsere Visionen für die Zukunft des Ruhrgebiets festhält:

Visonen für das Ruhrgebiet – graphisch dargestellt von „dieZeichner“. Foto: Agnes Sawer/EGLV

 

 

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