„Der schönste Job!“

„Der schönste Job!“

Unsere EGLV-Serie „Gesichter der Verbände“

Günter Cremer ist als Gewässermeister im Bereich der westlichen Lippe unter anderem für 45 Kilometer des Flusses zwischen Selm und Marl zuständig. Ein Interview mit dem 50-Jährigen.

Günter Cremer in seinem Element: an der Lippe. Foto: Bernhard Klug/EGLV

Günter Cremer in seinem Element an der wunderschönen Lippe. Foto: Bernhard Klug/EGLV

Herr Cremer, sind Sie stolz auf den Titel „Flusslandschaft des Jahres“ für unsere Lippe?
Stolz ist gar kein Ausdruck! Das ist schon eine richtig große Sache – vor allem für mich persönlich, der sein ganzes bisheriges Leben an der Lippe verbracht hat.

Erzählen Sie mehr…
Ich bin an der Lippe in Haltern-Flaesheim aufgewachsen, habe als Kind am und natürlich auch im Fluss gespielt. Ich habe meine Ausbildung an der Lippe gemacht, arbeite seit nunmehr 34 Jahren am schönsten Fluss Nordrhein-Westfalens.

Sie haben als 16-Jähriger Ihre Ausbildung beim Lippeverband begonnen. Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Ja, noch ganz genau. Das war am 1. August 1984 und ich habe gleich am ersten Tag Ufersteine zur Befestigung der Lippe eingebaut. Das war damals die allgemein gültige Regel der Technik, um den Abfluss der Lippe zu beschleunigen, damit sie nicht die direkt anliegenden landwirtschaftlichen Flächen überfluten konnte. Das ist insofern bemerkenswert, da ich heute genau diese Ufersteine wieder herausnehme – diesmal aber zur Renaturierung der Lippe.

Fühlt es sich nicht merkwürdig an, das eigene Werk zurückbauen zu müssen?
Ganz im Gegenteil, es fühlt sich sehr gut an – denn es ist auch richtig! Ich hatte damals vor 34 Jahren schon das Gefühl, dass die Begradigung des Gewässers ökologisch nicht gut sein kann und wir eines Tages etwas verändern sollten. Ich freue mich, dass wir gemeinsam schon so viel erreicht haben.

Die Lippe bei Datteln. Foto: Holger Berning/EGLV

Die Lippe bei Datteln. Foto: Holger Berning/EGLV

Welche Nachteile brachte die Begradigung der Lippe damals mit sich?
Das Hochwasser wurde zwar schnell abgeführt, doch dadurch grub sich der Fluss auch tief in sein eigenes Bett ein. Dies ging sehr zu Lasten der Artenvielfalt, da es in den tiefen Stellen des Flusses kalt und dunkel ist – keine gute Voraussetzung für Leben im Fluss. Das ändern wir ja aber nun mit der Lippe-Renaturierung.

Wodurch der Hochwasserschutz keinesfalls verschlechtert wird…
Das ist ganz wichtig, denn der Hochwasserschutz ist unsere Kernaufgabe. Durch die Uferentfesselungen und den Einbau neuer Schleifen und Kurven wie aktuell am Haus Vogelsang bei Datteln und Olfen verringern wir nicht nur die Abflussgeschwindigkeit, sondern geben dem Fluss an geeigneten Stellen gezielt die Möglichkeit, über die Ufer zu treten. Dadurch entstehen flache Auenlandschaften, die wiederum eine gute Voraussetzung für die Bildung und Erhaltung der Artenvielfalt ist.

Wenn man Sie von der Lippe reden hört, könnte man meinen, dass Sie ganz zufrieden sind mit Ihrem Beruf, oder?
Das wäre noch weit untertrieben. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ich habe das Glück, nicht nur den schönsten Job zu haben, den ich mir vorstellen könnte – sondern mein Beruf ist auch meine Berufung!

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