Hochwasserschutz an der neuen Emschermündung

Hochwasserschutz an der neuen Emschermündung

Über die Planungen der künftigen Sicherheit am und im Fluss…

Die NRZ berichtet heute über die Kritik eines Bürgers an der von uns geplanten Hochwassersicherheit an der künftigen Emschermündung. Das Thema ist spannend und umfangreich, daher möchte ich es im Folgenden auch etwas detaillierter erläutern – denn: Wenn die neue Mündung in einigen Jahren fertiggestellt ist, wird sie im Falle eines Rhein-Hochwassers auch Rückzugsraum für den Rhein bieten: immerhin mit einem Fassungsvolumen von rund 1,3 Millionen Kubikmetern. Der Aspekt Hochwassersicherheit wurde dabei gründlich geplant und überprüft.

Die künftige Emscher-Mündungsaue in einer Animation.

Die künftige Emscher-Mündungsaue in einer Animation.

Detaillierte Berechnungen
Die hydraulischen Berechnungen zur Bestimmung der Wasserspiegellagen und Fließgeschwindigkeiten wurden vom renommierten Institut für Wasser und Gewässerentwicklung (IWG) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) durchgeführt. Hier wurden detaillierte zweidimensionale Modellierungen (hydrodynamisch-numerische Untersuchungen) verschiedener Systemzustände realisiert. Diese dienten beispielsweise auch zur Optimierung der Planungen der Sohlgleiten zur Überwindung des Höhenunterschiedes im Mündungsbereich in den Rhein. Die Topographie des Rheins wurde in Abstimmung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) bei der geometrischen Ausgestaltung des Gewässersystems berücksichtigt. Ebenso wurden in Bezug auf Hochwasser- und auch Niedrigwasserverhältnisse die untersuchten Abflussszenarien mit dem WSA abgestimmt.

Im Detail sind zum Beispiel folgende Varianten untersucht worden:

1) Das Bemessungshochwasser der Emscher trifft mit dem Bemessungshochwasser des Rheins zusammen. Ein Bemessungshochwasser bezeichnet ein größtmögliches Hochwasser, das schadlos abgeführt werden kann.

2) Ein 100-jährliches Hochwasser / ein 25-jährliches Hochwasser / ein mittleres Niedrigwasser der Emscher treffen auf einen vom WSA verwendeten Referenzwasserstand des Rheins für Gewässer-Bauvorhaben.

3) Ein 25-jährliches Hochwasser der Emscher trifft auf den sogenannten Gleichwertigen Wasserstand (GIW) im Rhein. Dies ist ein Bezugswasserstand, der von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung definiert wird.

Das Fazit aller Untersuchungen zeigte, dass die Verlegung und Umgestaltung der Emschermündung für alle betrachteten Abflusskonstellationen auf der sicheren Seite liegt. Auch in Bezug auf die Fließgeschwindigkeiten und weitere abhängige Strömungsgrößen im Rhein ist festzuhalten, dass keine Verschlechterung in Bezug auf den jetzigen Zustand zu erwarten ist.

Emschermündung

Der Blick ins Baufeld: Der neue Emscherlauf ist bereits zu sehen. Im Hintergrund: das Steag-Kraftwerk. Foto: Rupert Oberhäuser/Emschergenossenschaft

Einen stehenden Emscher-See wird es nicht geben
Dass die neue Auenlandschaft gelegentlich bei Hochwasser geflutet wird, ist gewollt – denn nur so kann sich erst eine Auenlandschaft bilden. Da die Emscher auf ihren letzten Metern bis zum Rhein auch immer noch ein Gefälle haben wird, fließt das Wasser auch wieder ab. Einen ständig stehenden Emscher-See westlich der Hagelstraße wird es folglich nicht geben.

Im Übrigen bietet diese neue Auenlandschaft erst die Voraussetzung für eine Strukturvielfalt für gewässertypische Pflanzen- und Tierarten, die wiederum einen wichtigen Bestandteil des Neuen Emschertals bilden. Mit der Planung soll eine attraktive und ökologisch wirksame Verflechtung der Flüsse Emscher und Rhein sowie darüber hinaus auch der beiden Natur- und Erholungsräume Rheinaue Walsum im Süden und Wohnungswald im Norden erreicht werden.

Wer prüft solch eine Planung?
Der ökologischen Verbesserung des Emschermündungsraums lag ein öffentliches Planfeststellungsverfahren nach dem NRW-Verwaltungsverfahrensgesetz zugrunde. Im August 2008 hatten wir bei der Bezirksregierung Düsseldorf den Antrag auf Planfeststellung eingereicht, im August 2009 wurde er erörtert. Die Genehmigung zum geplanten Umbau wurde uns nach einer mehrere Jahre dauernden Prüfung im September 2013 per Beschluss erteilt. Am 18. September 2013 erfolgte schließlich die Übergabe des Planfeststellungsbeschlusses durch die Bezirksregierung an die Emschergenossenschaft.

An diesem förmlichen Verfahren waren rund 20 verschiedene Träger öffentlicher Belange beteiligt, insbesondere neben uns und der Bezirksregierung Düsseldorf das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA), Landesbetriebe, beteiligte Städte, die Bezirksregierung Arnsberg und viele andere.

Die Planungen waren somit öffentlich abgestimmt. Die Unterlagen lagen öffentlich aus, alle Beteiligten und Betroffenen hatten Gelegenheit, Anregungen und Bedenken vorzutragen, auf die unsererseits im Laufe des Verfahrens auch eingegangen wurde und die nun bei der Umsetzung der Maßnahme berücksichtigt sind.

Hochwasser in der aktuellen Emscher-Trasse (Aufnahme aus dem Juni 2016). Foto: Ilias Abawi/EG

Hochwasser in der aktuellen Emscher-Trasse (Aufnahme aus dem Juni 2016). Foto: Ilias Abawi/EG

Muss die Mündung denn überhaupt verlegt werden?
Ja, die Maßnahme muss sein – das ergibt sich aus der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die eine Durchgängigkeit von Gewässersystemen vorschreibt.

Nördlich der Dinslakener Siedlung „Am Stapp“ fließt die Emscher gegenwärtig gradlinig und eingedeicht über ein Absturzbauwerk in den Rhein. Diese Lösung schafft zwar wasserwirtschaftliche Sicherheit, bildet jedoch auch eine bis zu sechs Meter hohe ökologische Barriere zwischen Rhein und Emscher: Die Emschermündung weist zurzeit keine Flächen zur Etablierung eigenstabiler Artengemeinschaften in einem Flussökosystem auf.

Wir, die Emschergenossenschaft, sind also gehalten, für eine Lösung zu sorgen, damit künftig eben auch Fische aus dem Rhein ins Emschersystem schwimmen können. Der sechs Meter tiefe Absturz am Stapp wird künftig umgangen, indem die Mündung um zirka 500 Meter nach Norden verlegt und der Höhenunterschied elegant über so genannte Sohlgleiten überwunden wird. Diese Sohlgleiten muss man sich wie „Treppenstufen“ anstelle eines „Wasserfalles“ vorstellen.

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