Wieso die Lippe renaturiert wird…

Wieso die Lippe renaturiert wird…

Die wichtigsten Antworten zum Projekt.

Die Lippe wird renaturiert. Die Lippe wird renaturiert? Ja, die Lippe wird renaturiert! „Wieso?“, mögen sich viele fragen, denn den meisten Menschen erscheint die Lippe heute bereits als der schönste Fluss des Landes. Im Folgenden wollen wir daher die wichtigsten Fragen zur ökologischen Umgestaltung des längsten Flusses des Landes beantworten:

Die Lippe in Werne. Foto: Hans Blossey/EGLV

Die Lippe in Werne. Foto: Hans Blossey/EGLV

Anders als die Emscher ist die Lippe keine sogenannte „Köttelbecke“… Wieso muss sie dennoch renaturiert werden?
Die Lippe ist in der Tat ein recht idyllischer Fluss mit einem bereits sehr kurvenreichen Verlauf. Sie schlängelt sich wunderbar durch die Landschaft, das sieht man besonders auf Luftaufnahmen. Tatsächlich ist die Lippe aber zu schnell und hat sich im Laufe der Jahre immer tiefer in ihr Flussbett eingegraben. Mit der Folge, dass die Lippe selbst strukturarm ist und das Hochwasser zu schnell ableitet.

Welchen Einfluss hat der Trassenverlauf genau auf das Hochwassermanagement?
Durch einen vielseitigeren und flacheren Verlauf wird eine Verringerung der Fließgeschwindigkeit erreicht. Das Wasser kann in natürlichen oder umgestalteten Bereichen schon frühzeitig aus dem Flussbett in die Aue fließen. Indem wir das Wasser länger in den Einzugsgebieten halten, kappen wir etwas die Hochwasserspitzen in den Regionen und letztendlich auch in den Rhein. Dabei achten wir darauf, dass der Hochwasserschutz in den Gebieten gewährleistet bleibt.

Eine langsamere Fließgeschwindigkeit der Lippe dient aber nicht nur einem verbesserten Hochwasserschutz, sondern auch der Erhöhung der Artenvielfalt in dem Fluss. Wie wird dies erreicht?
Bei begradigten Abschnitten kommt es aufgrund des höheren Gefälles auf der Sohle zu hohen Fließgeschwindigkeiten. Die Ufer der Lippe sind teilweise noch mit Steinschüttungen befestigt. Das Wasser hat also kaum Möglichkeiten, über die Ufer zu treten. Als Folge dessen hat sich der Fluss immer tiefer in sein eigenes Bett eingegraben. Dies ist kontraproduktiv für die Lebewesen im Fluss, denn an den tiefen Stellen in der Lippe ist es dunkel und kalt. Im Rahmen unserer Baumaßnahme entfesseln wir die Ufer, indem wir die Steinschüttungen entfernen. Die Sohle des Flusses heben wir mit der Einbringung von sandigem Boden, der in den seitlichen Uferbereichen natürlich vorhanden ist, wieder an, sodass die Lippe wieder flacher wird und frühzeitig das „Flussbett“ verlässt. Dies ermöglicht die Bildung von Auenlandschaften, was wiederum die beste Voraussetzung für eine Artenvielfalt ist.

Gibt es vergleichbare Maßnahmen, die erfolgreich endeten?
Ja, die Renaturierung der Lippe in Wesel. Die neue Lippemündung in den Rhein haben wir nach fünf Jahren Bauzeit im Frühjahr 2014 offiziell eingeweiht. Im Juni 2016, fand dort der „Geo-Tag der Artenvielfalt“ statt. Dabei haben die Forscher insgesamt 927 Tier- und Pflanzenarten in unserer neuen Lippemündungsaue nachgewiesen. Darunter befinden sich viele typische Arten der Auen. Größte Gattung unter den 478 dort lebenden Tierarten waren die Käfer mit 184 Spezies. Einer unter ihnen war der extrem seltene „gestreifte Ahlenläufer“.

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