Abwasser-Lift wächst im Turbogang

Abwasser-Lift wächst im Turbogang

Auf der Baustelle des Pumpwerks Gelsenkirchen ist zurzeit vieles in Bewegung: Ende 2015 wurden die ersten sechs Pumpen eingehoben, das Bauwerk ist beinahe fertig. Noch ruhen die bis zu zehn Tonnen schweren Herzstücke des entstehenden Pumpwerkes still auf ihren Fundamenten – die Positionierung war Präzisionsarbeit. Doch die Installation der Pumpen wird bereits jetzt parallel zum Abschluss der Bauarbeiten des Tiefbauteils vorbereitet.

Die Positionierung der Pumpen auf den Betonsockeln ist echte Maßarbeit.

Die Positionierung der Pumpen auf den Betonsockeln ist echte Maßarbeit. Foto: Rupert Oberhäuser

„Momentan arbeiten hier mehrere Firmen verschiedener Gewerke parallel unter Hochdruck. Es geht mit voller Kraft voran!“, sagt der Kollege Reiner Tatus. Er ist hier Projektleiter und versucht sich gerade gegen die Klangkulisse durchzusetzen. Doch das ist schwierig… Metallisches Hämmern dröhnt durch den monumentalen Rohbau, der eine Tiefe von etwa 40 Metern und einen Durchmesser von ebenfalls rund 40 Metern misst. Diffus hallt der Klang von den massiven Betonwänden wider, irgendwo läuft ein Radio. „Party im Pumpenraum?“, vermutet Tatus und schmunzelt.

Aufwärts mit dem Abwasser

Dort stehe ich in etwa 35 Metern Tiefe, lasse den Anblick der gewaltigen Pumpen und das Volumen der Klänge auf mich wirken. Kurzfristig habe ich die Möglichkeit erhalten, mich einer Führung über die Baustelle anzuschließen. Einen besseren Einblick in das Kerngeschäft von Emschergenossenschaft und Lippeverband kann ich als noch neue Mitarbeiterin bei den Verbänden nicht bekommen! Allerdings zittern mir ordentlich die Knie, denn um dieses ungewöhnliche Raumerleben genießen zu können, bin ich rund 200 Stufen hinab gestiegen. Aber das hat sich gelohnt! Klein und winzig fühle ich mich in dem gigantischen „Keller“ und bekomme eine Ahnung von den Wassermassen, die hier künftig fließen werden. Insgesamt 11 Kreiselpumpen werden ab 2018 eine Menge von bis zu rund 13.300 Litern Schmutzwasser pro Sekunde aus dem Abwasserkanal Emscher (AKE) fördern können. Dabei wird es aus einer Tiefe von 35 Metern gehoben. Eine beachtliche Leistung!

Pumpwerk GE Blick abwärts

Höhenangst ist hier fehl am Platz: Die Baugrube ist rund 40 Meter tief! Foto: Reiner Tatus

Das Anheben des Wassers ist notwendig, um das Gefälle des insgesamt 51 Kilometer langen Abwasserkanals Emscher (AKE) zwischen Dortmund und Dinslaken auszugleichen. Das beträgt immerhin 1,50 Meter pro Kilometer. Ohne mehrfache Förderung des Abwassers auf ein höheres Niveau würde der Kanal bei Dinslaken schließlich eine Tiefe von rund 80 Metern erreichen! Mit zwei weiteren Pumpwerken an den Standorten Bottrop und Oberhausen wird die maximale Tiefe nach Abschluss des Projekts „nur“ 40 Meter ausmachen.

Landmarke im neuen Emschertal – Besuch erwünscht!

Das Pumpwerk Gelsenkirchen hebt nicht nur Abwasser an, gleichzeitig wird es eine Landmarke im Neuen Emschertal! Das elektrische Betriebsgebäude soll als Hochbauteil künftig frei zugänglich sein und möchte Besucher zum Verweilen einladen. Ein idealer Ort dafür könnte sein Terrassendach werden, von dem aus man das Pumpwerksgelände, die Emscher und den Kanal überblicken kann.

Ausgezeichnete Architektur: Der elliptische Hochbau

Ausgezeichnete Architektur: Der elliptische Hochbau. Foto: Rupert Oberhäuser

Der elliptische Baukörper ist das Ergebnis eines architektonischen Wettbewerbs, der 2005 im Rahmen des „Masterplans Emscher Zukunft“ und der Werkstatt Neues Emschertal ausgelobt wurde. Der Siegerentwurf geht auf das Büro B.A.S. Kopperschmidt + Moczala GmbH zurück. Auch der Tiefbau lädt zur Besichtigung ein: Ein begehbarer „Wall“ wird rund um das maschinentechnische Betriebsgebäude führen.

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Kommentare

  • Bernd

    “ Allerdings zittern mir ordentlich die Knie, denn um dieses ungewöhnliche Raumerleben genießen zu können, bin ich rund 200 Stufen hinab gestiegen.“ – Da würden mir auch meine Knie zittern. Ich wüsste gar nicht, ob ich den Mut aufbringen könnte so tief hinunter zu klettern… Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es ein ganz anderes Erlebnis ist sich in so einem Bauwerk zu befinden. Man stelle sich die Größe und die Proportionen vor. Vor allem beeindrucken mich die enormen Pumpen, und was sie alles in der Lage sind zu befördern.

    Faszinierend ist es, wie genau so solche riesengroße Pumpen eingestellt und positioniert werden. Es geht dabei um Pumpen, die größer sind als ein Mensch. Und dennoch ist höchste Präzision und Genauigkeit gefordert, sonst funktionieren die Pumpen nicht. Wenn man mich fragt, finde ich das sehr erstaunlich. An sich ist die Pumpentechnik höchst interessant, denn es gibt so viele unterschiedliche mit verschiedenen Funktionsweisen. Beispielsweise arbeitet die Druckluftmembranpumpe wie ein schlagendes Herz. Wir können in der Funktionsweise dieser Pumpe Parallelen und Ähnlichkeiten zur Natur finden. Technik und Natur agieren oft im Zusammenspiel, sodass Erstaunliches entsteht. Um das Prinzip der Druckluftmembranpumpe zu verstehen kann man bei axflow.com/de sich noch weiter informieren. Denn ihr Kerngeschäft ist die Pumpentechnik.

    Ich finde die Bilder in dem Artikel auch schon sehr beeindruckend, weil man sich erst dadurch bewusst wird welche Dimensionen das Bauwerk annimmt. Ein Besuch vor Ort ist sicherlich ein noch spannenderes Erlebnis.
    Vielen Dank für den informativen Bericht!
    Grüße.

    • Katrin Schnelle

      Vielen Dank für die nette Rückmeldung zum Artikel! Von vielen unserer Projekte können Sie sich tatsächlich selber ein Bild machen. Wir bieten regelmäßig Führungen über unsere Baustellen an – natürlich auch über die Pumpwerksbaustellen. Auf unserer Website und in unseren Social Media-Kanälen kündigen wir Besichtigungen regelmäßig an.

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