Besuch aus Chennai: Namasté an der Emscher!

Besuch aus Chennai: Namasté an der Emscher!

Die Emscherkunst zeigt in diesem Sommer bereits zum dritten Mal Kunstwerke von internationalen Künstlern entlang der Emscher. Dass es sich lohnt, auf einzigartige Weise den Wandel der Region zu erleben, hat sich sogar bis nach Südindien „herumgesprochen“. 14 Besucherinnen und Besucher einer Reisegruppe des Goethe-Institutes aus dem südindischen Chennai waren in dieser Woche zu Gast im Ruhrgebiet, um mehr über Wasserwirtschaft und Kunst im öffentlichen Raum zu erfahren.

Hintergrund der Reise sind zwei geplante Projekte der indischen Dependance des Goethe-Institutes, die sich mit diesen Themen beschäftigen werden. Startpunkt für die Reisegruppe bestehend aus Künstlern, Wissenschaftlern, Anwälten und Ingenieuren ist das Besucherzentrum der Emscherkunst am Dortmunder U. Kurator Florian Matzner und die Projektmitarbeiterinnen Leonie Böhmer und Lisa Weber geben eine kurze Einführung in das Projekt Emscherkunst. Die Aufgaben der Emschergenossenschaft und vor allem der Emscher-Umbau wurden bereits am Vortag ausführlich vorgestellt. So wird die Frage „Wo ist die Emscher?“ im Laufe des Tages zum Running Gag.

Besuchergruppe bei den Tamil Stars

Die Besuchergruppe bei den Tamil Stars

Direkt um die Ecke vom Dortmunder U wartet das erste Highlight: die Stereo-Animation Tamil Stars von Tobias Zielony beschäftigt sich mit dem gleichnamigen Dortmunder Fußballverein und der tamilischen Gemeinschaft, die eine der größten in Europa ist. Kumar aus Sri Lanka vom „Haus der Vielfalt“, der seit 40 Jahren in Dortmund lebt, erwartet die Gruppe bereits – er spricht Tamil, genau wie die Besucher, was angesichts der Sprachenvielfalt in Indien ein kongenialer Zufall ist. So finden Projektvorstellung und angeregter Austausch in der Muttersprache statt – zwischendurch von Kumar ins Deutsche übersetzt. Sprachbarrieren sind an diesem Tag kein Thema – alle Teilnehmer verständigen sich auf Englisch und von Beginn an gibt es keine Berührungsängste. Schnell gibt es einen angeregten Austausch und mittels Kamera, IPad und Handy wird alles in Wort und Bild festgehalten.

 

Nach einem kurzen Abstecher am Projekt-Boot ARCA gibt es an der nächsten Station direkt wieder ein Highlight. Die begehbare Skulptur Zur kleinen Weile findet großen Anklang. Sofia, eine erfolgreiche indische Raptivistin – also eine rappende Umweltaktivistin – sorgt für Begeisterung mit einer spontanen Rap-Einlage im Innenraum, der durch Bauweise und Material eine ganz besondere Akustik hat. Eine Kostprobe gibt es hier auf der Facebook-Seite der Emscherkunst.

 

Weiter geht es zum Phoenix See, wo nach kurzer Mittagspause neben dem Wolken-Pavillon Cloud Machine und der silber-glänzenden Skulptur Spirits of the Emscher Valley vor allem der italienische Kiosk Chiosco gut ankommt.

Am Chiosco

Am Chiosco

Auch hier am Phoenix See, auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände, gilt es wieder viele Fragen zu beantworten – die Palette der Themen reicht neben den Kunstprojekten von der Geschichte des Ruhrgebietes über Stahlindustrie und Bergbau bis zu Gentrifizierung und Gewässerunterhaltung. Wir könnten noch ewig weiterdiskutieren – gäbe es da nicht noch einige weitere Ziele auf der Reiseroute. So setzt der Bus seine Fahrt fort in Richtung Stadthafen Recklinghausen, wo die Audio-Installation des Schweizer Künstlers Roman Signer und der Waste Water Fountain für Interesse und Schmunzeln sorgen. Dass Kunst durchaus auch humorvolle Aspekte haben kann, kommt gut an. Auch wenn sich das Wetter beim Spaziergang zur ehemaligen Kläranlage Herne nicht von seiner besten Seite zeigt, ist der Wissensdurst ungebrochen. Vor dem bereits zur Emscherkunst 2010 entstandenen Wandmosaik Glückauf von Silke Wagner findet eine kleine gedankliche Zeitreise in vergangene Jahrhunderte statt.

Gruppenfoto Besuch aus Chennai

Besuch aus Chennai

Abschluss eines langen Tages bildet der Besuch am Hochwasserrückhaltebecken, das mit seiner idyllischen Weite die Kulisse für die sechzig tonnenschweren Wellenbrecher aus Beton der Künstlerin Nevin Aladag bildet. Ein Tag voller Eindrücke und interkulturellem Austausch neigt sich dem Ende – beeindruckt und begeistert verabschiedet sich die Reisegruppe mit Namasté und Tschüss.

Auch ich nehme von diesem Tag viel mit, habe interessante Einblicke in Kultur, Kunst und Wasserwirtschaft in Indien erhalten und die Gelegenheit bekommen, meine Heimat und die Arbeit der Emschergenossenschaft mal mit ganz anderen Augen und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Auf www.emscherkunst.de lesen Sie mehr zur Emscherkunst und den Kunstwerken.

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