Noch fliesst hier trübes Wasser in Betonschalen

Noch fliesst hier trübes Wasser in Betonschalen

Mit dem Bau der Abwasserkanäle an den Oberläufen des Dattelner Mühlenbaches beseitigt der Lippeverband die letzten Schmutzwasserläufe an der westliche Lippe.Es riecht kräftig nach Landluft – und  richtig: Wir sind ja hier auf einem Bauerhof, dem Hof Janinhoff zwischen Datteln und Oer-Erkenschwick. Hinter der Scheune fließt eine Art Bach schnurgerade  durch die Felder: Das Gerinne besteht aus Betonplatten und hinter der kleinen Brücke, die den Bach überspannt, stürzt der Bach eine große Stufe herunter – ebenfalls aus Beton.  Ein Schild warnt: Vorsicht Lebensgefahr! Folgerichtig ist das Ganze eingezäunt, doch über den Zaun hinweg kann man deutlich das schmutzig-trübe Wasser erkennen.

Spatenstich für die letzten Abwasserkanäle am Dattelner Mühlenbach (c) Rupert Oberhäuser

Spatenstich für die letzten Abwasserkanäle am Dattelner Mühlenbach (c) Rupert Oberhäuser

„Das ist das Abwasser aus Oer-Erkenschwick, das wird jetzt noch oberirdisch abgeleitet“, erläutert einer der Anwesenden. Es sind  nämlich heute eine Menge Leute auf dem Hof: Großer Bahnhof für einen kleinen Bach, denn – darüber klärt ein Transparent auf –  der Bach soll wieder sauber werden, dafür werden geschlossene Kanäle unter die Erde gelegt.

Uneingeschränkte einfache Nutzungsrechte für alle EGLV-Publikationen (Print und Web) und Bürgermeister Dora (Datteln) spricht beim Spatenstich Dattelner Mühlenbach (c) Rupert Oberhäuser

Bürgermeister Dora (Datteln) spricht beim Spatenstich Dattelner Mühlenbach (c) Rupert Oberhäuser

Drinnen in der Scheune ist es ein wenig schummrig, doch vor der Rückwand ist ein hell erleuchtetes Rednerpult aufgebaut ist. Zuerst spricht der Bürgermeister von Datteln, André Dora. Denn auch wenn Oer-Erkenschwick nur einen Steinwurf entfernt ist, der Hof steht noch auf Dattelner Gebiet. Er spricht über den schmutzigen Bach, den er seit langem kennt, erinnert daran, dass es in der Jugend eine Mutprobe war – drüber zu springen, über die Betonschalen und das schmutzige Wasser, über den Dattelner Mühlenbach.

Für Dr. Uli Paetzel war es der erste Spatenstich als Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes (c) Rupert Oberhäuser

Für Dr. Uli Paetzel war es der erste Spatenstich als Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes
(c) Rupert Oberhäuser

Dann betritt der neue Vorstandsvorsitzende des Lippeverbandes die Bühne. Für Dr. Uli Paetzel – seit fünf Wochen im Amt – ist es der erste Spatenstich im Verbandsgebiet.  „Hier am Dattelner Mühlenbach wollen wir ein ganz besonderes Wort in das Reich der Vergangenheit verabschieden: mit der Beseitigung der letzten Köttelbecken – im Verwaltungsdeutsch sagt man offene Schmutzwasserläufe – konkret hier an der westlichen Lippe“. Was kommt nach den Köttelbecken? Dr. Paetzel: „Bachläufe, die die Lebensqualität und den Wohnwert erhöhen…“

Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverband, erläutert das Bauprojekt (c) Rupert Oberhäuser

Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverband, erläutert das Bauprojekt. (c) Rupert Oberhäuser

Danach führt Dr. Emanuel Grün als Technischer Vorstand in die Einzelheiten des Bauprojektes ein: Die Kanäle am Dattelner Mühlenbach werden in einem besonderen Verfahren verlegt, das sich halboffener Vortrieb nennt. Im Unterschied zu anderen Verfahren muss man nur so wenig Erde bewegen wie unbedingt nötig, darum gilt es als besonders umweltschonend. Mit dem Bau der Kanäle fängt der Lippeverband an. Ein angrenzendes Gelände für ein Regenüberlaufbecken muss zuerst archäologisch untersucht, bevor auch hier der Bagger kommt. Denn dort könnten noch Reste eines Denkmals liegen.

Zum Abschluss spricht Bernd Immohr, Technischer Beigeordneter von Oer-Erkenschwick: Er kennt das Projekt von Anfang an, die ersten Beratungen darüber waren schon in den 1990er Jahren. Damals mochte man das nicht so recht glauben, dass der Steinrapener Bach und der Westerbach – die Quellläufe des Mühlenbaches – wirklich einmal sauber werden. Heute ist es kurz davor.

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Im Hintergrund legt der Bagger schon die Baustraße an. Foto: Michael Steinbach

Allmählich geht die Veranstaltung zuende. Draußen zwischen den Feldern fährt ein Bagger hin und her. Er legt die Baustraße an. Daneben lagern Stahlrohre, vielleicht einen Meter dick. Die sind nicht etwa für den neuen Kanal, die Kanalrohre werden viel größer, 2,80 m im Durchmesser sind an dieser Stelle nötig. Die Stahlrohre werden während der Bauzeit als provisorische Brücke in den Betonbach gelegt. Man kann eine provisorische Fahrbahn darauf bauen und trotzdem kann das Wasser durch die Rohre fließen.

Wenn unter der Erde alles fertig ist, beginnt über der Erde das, worauf viele schon lange warten: 2018 ist der Bach wieder sauber, dann werden die Betonplatten herausgeholt und ein Bachbett geformt – ade Köttelbecke!

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