Quappe frisst Grundel frisst Quappe

Quappe frisst Grundel frisst Quappe

Die Fisch-Fauna in der Lippe ist bedroht – darüber kann die Rückkehr von Lachs und Quappe in den Fluss nicht hinwegtäuschen! Zwei ganz gegensätzliche Meldungen entdecke ich heute in den Nachrichten: Einerseits wurde in der Lippe bei Wesel ein großer Lachs gefangen – der erste seit 15 Jahren (zum Artikel). Auf der anderen Seite klagen Angler: Aale, Hechte, Gründlinge und andere Arten verschwinden aus Lippe und Stever. Wird die Lippe durch sauberes Wasser, naturnahe Gewässerstruktur und Wiederansiedlungsprojekte immer besser – oder nützt das alles nichts?

Lebensbedingungen haben sich stark verbessert

Es nützt viel! Die Lebensbedingungen für alle Wasserorganismen in der Lippe haben sich in den letzten 20 Jahren stark verbessert: Die Kläranlagen wurden erheblich ausgebaut, auch der Salzgehalt des Wassers ist zurückgegangen, vielfältige Ufer- und Auenbereiche wurden gestaltet, wo früher die Flussränder eintönig mit Wasserbausteinen zugepflastert waren.

Doch es gibt eine handfeste Bedrohung für die Artenvielfalt: Die Grundel, eine aus dem Schwarzen Meer mit Schiffsladungen eingeschleppte Fischart, sieht so harmlos aus, wie der „niedliche“ Name vermuten lässt – sie ist kein Furcht erregender Räuber. Aber weil sie gezielt den Laich anderer Arten frisst, rottet sie Nahrungskonkurrenten aus und kann sich explosionsartig ausbreiten (zum Artikel).

Eine ausgewachsene Quappe – in der Lippe gibt es von der Art nur noch kleine Bestände, durch Wiederansiedlung breitet sie sich wieder aus. Foto: Bernhard Stemmer

Die Rheinfischer können längst ein Lied davon singen, seit etwa drei Jahren hört man auch an der Lippe viele Klagen der Fischereivereine  über die Schwarzmeergrundel. Ein Gegenmittel wurde noch nicht gefunden, doch einige Erwartungen richten sich auf die Quappe, einen Raubfisch, der in der Lippe seit einigen Jahren wieder angesiedelt wird. Sind die Quappen erst einmal ausgewachsen, machen sie bei den Grundeln reiche Beute. Doch bis es so weit ist, werden abertausende winziger Quappenlarven von Grundeln gefressen …

Wehre durchgängig – auch für die Grundeln

Das Problem hat noch eine andere Dimension: Wir arbeiten seit Jahren engagiert dafür, die Durchgängigkeit der Lippe zu verbessern – durch Fischaufstiege an den Wehren. Doch damit ebnen wir auch den Grundeln den Weg, die damit Zugang zu bisher abgeschirmten Fischbeständen erhalten.

Der Fischaufstieg am Wehr Hamm bei der Einweihung umgeht das große Lippewehr mitten in der Stadt. Foto: Jochen Durchleuchter

Bleibt die Möglichkeit, dass das Naturgleichgewicht eines Tages von alleine zurückkehrt, dass sich die Grundel durch Überpopulation irgendwann selbst wieder eindämmt. Doch auch das ist nur eine Hoffnung…

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