Wenig Wasser in der Lippe

Wenig Wasser in der Lippe

Normalerweise ist der Winter eine Zeit hoher Wasserstände. In diesem Jahr ist das ganz anders…Nicht nur die Pegelstände am Rhein sind seit Monaten sehr niedrig. Auch in anderen Flüssen unserer Region fließt derzeit deutlich weniger Wasser als normal. Und das geht schon seit Monaten so! Schauen wir uns das einmal bei der Lippe an:

Die Lippe kurz vor Lippramsdorf. Derzeit steht sie so niedrig, dass die Sandbänke rauskommen.

Im letzten Quartal 2016 sind ungewöhnlich geringe Niederschläge gefallen. Seit der Rekordwärme und -trockenheit im September liegen daher die Pegel der Lippe in Lünen, Haltern, Dorsten und Wesel nur knapp über Niedrigwasser – typische Wasserstände für den Hochsommer, aber nicht für Herbst und Winter. In Lünen steht der Pegel aktuell auf 2,50 m, in Haltern auf 1,55 m und in Wesel auf 1,58 m. In Dorsten steht die Lippe mit derzeit 4,94 m scheinbar besonders hoch. Der Grund liegt aber darin, dass sich die Lippe durch die lange Deichstrecke hier besonders tief eingegraben hat und die Pegelwerte in Dorsten immer mehrere Meter höher sind als anderswo.

Der Lippepegel des Lippeverbandes in Lünen: Mitte Januar ging‘ s leicht nach oben, jetzt steht die Lippe wieder so niedrig wie vor Monaten. Die untere Linie bedeutet „Niedrigwasser“, die obere Linie „Mittelwasser“, die Hochwassermarke liegt „meilenweit“ entfernt außerhalb der Grafik.

Besonders auffällig war das im Dezember: Da sind im Gebiet des Lippeverbands
bis Weihnachten gerade mal 10 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen – im ganzen Monat. Nach dem Regen über Weihnachten hatten sich die Lippepegel leicht nach oben bewegt, dann nochmal nach einer kurzen Regenperiode Mitte Januar. Jetzt aber, Ende Januar, sind sie wieder so tief wie im Spätherbst.

Woran liegt das? Auch wenn es zwischendurch ergiebig geregnet hat, verhalten sich naturbelassene Böden wie ein Schwamm: Sind sie einmal vollgesogen mit Wasser, dauert es lange, bis sie es wieder abgegeben haben. Umgekehrt ist ein Regenguss auf trockenen Boden wie der buchstäbliche Tropfen auf den heißen Stein: Bevor davon etwas in den Gewässern ankommt, steigt erst einmal die Feuchtigkeit in der Erde.

Die Lippe unter der Straßenbrücke bei Ahsen: Der Wasserstand ist tief unten, die gelben Pegelstangen stehen fast frei.

Droht dadurch Gefahr für Flora und Fauna? Nein, denn Niedrigwasserstände sind ein natürliches Phänomen einer Flusslandschaft. Im Winter sind sie zwar selten, aber ein funktionierendes Öko-System wird auch damit fertig. Probleme gibt es weniger in der Lippe selbst, die immer eine gewisse Wassermenge führt, sondern am ehesten in den kleineren Nebenläufen, die im Einzelfall nahezu trocken fallen können.


Fotos: M. Steinbach

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