Zimmer mit Emscher-Aussicht

Zimmer mit Emscher-Aussicht

Eine Nacht in einem Kunstwerk schlafen – das klingt verheißungsvoll! Mit der ganzen Familie und Freunden mache ich mich auf nach Castrop-Rauxel (für manche der Inbegriff des Ruhrgebietes) … Warten auf den Fluss nennt sich die bewohnbare Installation der niederländischen Künstlergruppe Observatorium. Mittlerweile zum dritten Mal bereichert Warten auf den Fluss das Neue Emschertal und die Ausstellung Emscherkunst. Nach Stationen in Essen-Altenessen (2010) und Oberhausen-Holten (2013) bei den vorherigen Editionen der Ausstellung wurde die Brücke diesmal in Castrop-Rauxel-Henrichenburg am Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal aufgebaut. Tagsüber steht die in Zickzackform gebaute Brücke allen Besuchern offen: Es ist ein Ort des Innehaltens, der Kontemplation, aber auch des Aufeinandertreffens und des Austausches. Ab 18 Uhr jedoch gehört dieser Ort denjenigen, die hier eine Übernachtung gebucht haben – heute also uns! Schlafzeug und Handtücher sind ebenso wie die „Halbpension“ mit Abendessen und Frühstück bei der Buchung inklusive, trotzdem sind wir ordentlich bepackt, als wir uns über den noch leicht schlammigen und von grünen Büschen gesäumten Trampelpfad hinter dem Gewerbegebiet „Zum Düker“ auf den Weg machen. Nach einigen hundert Metern gelangen wir an ein idyllisch- abgelegenes Plätzchen mitten im Grünen, das auf zwei Seiten von Wasser umschlossen wird.

Wir kommen fast gleichzeitig – wie so oft in diesem wechselhaften Sommer – mit einem heftigen Schauer an. Die niederländische Malerin und „Gastfrau“ Marja Zomer empfängt und zeigt uns alles. Sie sorgt für das leibliche Wohl aller Gäste und kocht in der nahegelegenen Miniküche in einem Container unfassbar leckere Gerichte, wie sich noch zeigen wird. Die gesamte Brücke ist aus gebrauchtem belgischen Holz gebaut. Durch die Zickzackform ergeben sich – sobald man um eine Ecke der hölzernen Konstruktion biegt – immer wieder neue Plätze, öffnen sich andere Ein- und Aussichten in die Natur. Obwohl ich schon einige Male hier gewesen bin, fasziniert mich der Ausblick durch die riesigen Fenster der Pavillons immer wieder: Auch sie geben den Blick direkt in die umgebende Natur frei, rahmen die Landschaft geradezu ein. Auf der einen Seite liegt still der im Zuge des Wasserkreuz-Baus abgetrennte Altarm der Emscher  – hier hat sich mittlerweile sogar ein Eisvogel angesiedelt! Von der Seite des gegenüberliegenden Pavillons sieht man direkt auf den glitzernden Rhein-Herne-Kanal, kann großen Lastkähnen oder wendigen Sportbooten zuwinken!

Das Wetter klart auf und so können wir unser Abendessen auf dem großen fahrbaren Holztisch „open-air“ genießen. Als es langsam dämmert, beobachten wir die landenden Wasservögel, vor allem Kanadagänse, in direkter Umgebung des Kanals und holen unsere Kerzen raus. Nach vielen Gesprächen und einigen Expeditionen mit Taschenlampen im Gelände sind irgendwann alle müde und wir schlüpfen in unsere wirklich kuschligen Betten – ganz luxuriös mit Bettwäsche und nicht nur ein schnöder Schlafsack. Das hier ist auch eine Form von „Glamping“ – der hippen Mischform aus „glamourös“ und „Camping“ …Ich schlafe allerdings ziemlich unruhig: Ungewohntes Geraschel und Geräusche von Fauna und Flora lassen mich noch lange in die Nacht hinaus horchen.

Der nächste Morgen begrüsst uns strahlend und Gastfrau Marja war schon Brötchen holen – schon wieder Luxus, sich nicht selbst um die Essensbeschaffung kümmern zu müssen! Jetzt erst mal ein Kaffee …die Nacht war kurz!

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„Ein gebauter Vorschlag, um zu warten“, nennt Geert van de Camp von Observatorium diese 34 Meter lange hölzerne Brücke mit insgesamt drei Doppel-Pavillons. Doch warten worauf? Auf die neue Emscher natürlich, auf einen richtigen Fluss. Bis zum 18. September – dann endet die Ausstellung Emscherkunst 2016 – ist Warten auf den Fluss noch zu erleben.

Am Sonntag, 4. September 2016, kann man gemeinsam mit Observatorium warten. Dann sind die Künstler Andre Dekker und Geert van de Camp zu ihrem „Künstler-vor-Ort-Gespräch“ im Rahmen der Emscherkunst bei Warten auf den Fluss. Sie freuen sich auf viele Gäste und diskutieren ab 15 Uhr mit dem Publikum über ihre künstlerischen Ideen. Außerdem stellen sie auch ihren gerade erschienenen Wanderführer „Der grüne Schatten“ vor und signieren auf Wunsch einige Exemplare …

 

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