Zuverlässig seit Kaisers Zeiten

Zuverlässig seit Kaisers Zeiten

Mit seinem imposanten Kuppeldach von 41 m Durchmesser und 24,4 Metern Höhe gehört das Pumpwerk Alte Emscher zu den herausragenden Gebäuden seiner Epoche. Noch zu Zeiten Kaiser Wilhelms II. nach einem Entwurf von Alfred Fischer erbaut, wurde es im Jahr 1914 als erstes Pumpwerk der Emschergenossenschaft in Betrieb genommen. Beim Bau der Anlage wurde strategisch und sicher geplant: Das Pumpwerk ruht auf einer 5,50 Meter dicken Sohlplatte, die es sowohl vor Bergschäden als auch vor dem Aufschwimmen bei Hochwasser schützt. Am Tiefpunkt des Senkungstrichters im Einzugsgebiet der Alten Emscher errichtet und mit einem Umlaufgraben versehen erfüllt die Kreisform des Pumpwerks zudem statisch die besten Voraussetzungen, um notfalls gegen großen Wasserdruck zu bestehen.

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Das Pumpwerk mit Tarnnetz zum Schutz vor Bombenangriffen während des 2. Weltkrieges, Foto: EG/LV.

Da ein Ausfall des Pumpwerks verheerende Folgen für die ganze Region bedeutete, errichtete man im Zweiten Weltkrieg eine aufwändige Tarnung für die Anlage, um sie vor Bombardement zu schützen. Trotz der Bemühungen wurde das Pumpwerk im Jahr 1945 bei einem Granateneinschlug schwer beschädigt und rund 180 ha Land in der Folge überflutet. In den Jahren darauf wurde das Pumpwerk schrittweise repariert.

Maschinen im Pumpwerk Alte Emscher, Foto: Klaus Baumers, EG/LV.

Heute ist die Anlage mit neuen Motoren und moderner Elektronik ausgestattet. 1999 wurde das Pumpwerk Alte Emscher in die amtliche Denkmalliste der Stadt Duisburg eingetragen. Das Pumpwerk Alte Emscher dient seit 2005 als Hochwasserpumpwerk und fördert nicht klärpflichtiges Wasser direkt in den Rhein.

 

Gebaute Geschichte – Pumpwerksarchitektur

Die Architektur der Pumpwerke der Region bildet ein breites Spektrum ab. In der Bauweise des Pumpwerks Alte Emscher des Architekten Alfred Fischers kann man schon die Anfänge der „Neuen Sachlichkeit“ sehen, ein Baustil, der neben vielen anderen Industriebauten der Region, Ende der 1920er-Jahre auch zwei weitere Pumpwerke von Alfred Fischer für die EMSCHERGENOSSENSCHAFT prägt: Die Pumpwerke Schwelgern und Schmidthorst in Duisburg. Die neu aufkommende Formensprache ist größtenteils auf die Technisierung des ersten Weltkrieges und eine Abkehr von historischen Stilen zurückzuführen. Dahingegen sehen die noch während des ersten Weltkriegs errichteten Pumphäuser in Gelsenkirchen-Horst und Bottrop aus wie normale Kleinstadtvillen und sollten sich wohl unauffällig ihrer Umgebung anpassen: Denn über dem Pumpraum lagen in der Regel die Wohnungen der Maschinisten, da die Pumpen bei Bedarf jederzeit, Tag und Nacht, einsatzbereit sein mussten. Architektonisch zurückhaltend bis hin zu auffällig gestalteten Fassaden spiegeln große Richtungen der Architekturschulen wider.

Die Region im Fluss halten – Die Pumpwerke entlang der Emscher

Die EMSCHERGENOSSENSCHAFT unterhält entlang der Emscher rund 101 Pumpwerke, zusammen mit dem LIPPEVERBAND bewirtschaftet sie ein Einzugsgebiet von über 4.000 Quadratkilometern mit etwa 3,6 Millionen Einwohnern. Dabei ist und war die „geregelte Vorflut“, d. h. die kontrollierte Sammlung und Ableitung von überschüssigem Wasser, stets eine zentrale Aufgabe. Denn die Tatsache, dass Wasser wie selbstverständlich durch Emscher, Lippe und ihre vielen Nebenläufe fließt, müssen die Verbände im vom Bergbau geprägten Raum seit über 100 Jahren technisch aufwändig organisieren.

Mit der jährlich in den Pumpwerken der Emscherregion geförderten Wassermenge ließe sich der Gasometer in Oberhausen an die 1.000 Mal auffüllen. Insgesamt werden aus den Senkungsgebieten in der Emscher- und Lipperegion jedes Jahr rund 600 Millionen Kubikmeter Wasser gepumpt. Dabei handelt es sich nicht nur um die industriellen und privaten Abwässer oder etwa zusätzliche Wassermengen, zum Beispiel von Starkregenereignissen: Der Bergbau hat die Region nachhaltig verändert und die Folgen sind heute noch zu spüren. Ganze Landschaften haben sich abgesenkt – in extremen Fällen bis zu 25 Metern – und Polderflächen sind entstanden. Das sich darin sammelnde Oberflächenwasser muss jetzt und zukünftig aktiv reguliert werden.

Polderflächen neu

Polderflächen im Emscher- und Lippegebiet, Grafik: EG/LV.

Neben der Regulierung des Poldergebietes, gehört auch der Schutz vor Hochwasser zu den zentralen Aufgaben des Flussgebietsmanagements an der Emscher und ihren Nebengewässern. Während in ländlichen Bereichen oft hinreichend Flächen für zeitweilige Überflutungen zur Verfügung stehen, sieht dies in den Städten ganz anders aus. Die meisten Fließgewässer sind auf engem Raum kanalartig ausgebaut und mit hohen Deichen versehen. Das Wasser kann nicht ausweichen. Fällt hier mehr Regen als üblich, so steigt der Wasserstand schnell an und kann sich zu Hochwasser entwickeln.

Neben Regenrückhaltebecken und Deichen entlang der Emschergewässer sorgen die Pumpwerke der Emscherregion dafür, dass Keller nicht volllaufen und Straßen nicht überflutet werden. Dennoch gilt stets die Erkenntnis, dass bei sehr extremen Starkregenereignissen, wie sie durch die Klimaveränderungen vermehrt auftreten, die Grenzen des technisch Machbaren erreicht werden können. Einen 100-prozentigen Hochwasserschutz kann es nicht geben.

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