Abwasser ist definitiv kein Abfall

Abwasser ist definitiv kein Abfall

Wozu die Emschergenossenschaft die Biomasse noch verwendet.

Für die meisten ist Abwasser nur ein Abfallprodukt, was schnellstens entsorgt werden sollte. Das dem nicht wirklich so ist, beweist gerade erst das Forschungsprojekt „ZeroCarbFP“, dessen Gesamtkoordinator die Emschergenossenschaft ist. Man mag gar nicht glauben, was sich alles noch im Abwasser befindet – und was man daraus machen kann! Oder hätte irgendjemand geglaubt, dass sich aus Abwasser Öle für Hochleistungsadditive in der Schmierstoffindustrie gewinnen lassen?!? Eben…:-)

Die Emscher-Kläranlage in Bottrop: Aus dem Abwasser können wichtige Stoffe gewonnen werden. Foto: Emschergenossenschaft

Aber der Reihe nach: Im Rahmen der strategischen Allianz „ZeroCarbFP“ wird die Nutzung von kohlenstoffreichen Abfallströmen zum Aufbau von funktionaler Biomasse erforscht. Das Themenfeld der Emschergenossenschaft mit dem Technologiepartner BRAIN verfolgt hierbei das Ziel, kohlenstoffreiche Abwässer für die Aufzucht spezieller ölbildender Organismen zu verwenden. Die hierdurch gewonnene Biomasse kann im Anschluss energetisch verwertet oder als Rohstoff zur Produktion von beispielsweise Hochleistungsadditiven in der Schmierstoffindustrie genutzt werden.

Zur Nutzung dieses Rohstoffes werden die Synergien der strategischen Allianz genutzt, in der u.a. auch die FUCHS Europe Schmierstoffe GmbH als Verwertungspartner vertreten ist. Die bis heute gewonnen Erkenntnisse sind bereits sehr vielversprechend. Aus dem Abwasser einer ausgewählten Kläranlage der Emschergenossenschaft konnten Organismen isoliert werden, die von den Partnern aufgrund ihrer Eigenschaft zur hohen Lipidbildung (Fettbildung) als geeignet für weitere Untersuchungen bewertet wurden. Ein wesentliches Kriterium bei der Beurteilung ist eine Lipidbildungsrate von mehr als 20% der Biotrockenmasse. Neben speziellen Bakterien konnten auch eine Reihe von Hefen und Pilzen identifiziert werden, die das Potential zum Energie- und Rohstofflieferanten besitzen.

In Faulbehältern (das „Ei“ im Hintergrund) entsteht Methangas, was ein guter Energieträger ist. Foto: Lippeverband

Isoliert man diese Elemente und züchtet sie separat heran, kann man sie beispielsweise im Zuge der Klärschlammbehandlung hinzuführen – was die Methangasproduktion in den Faulbehältern auf den Kläranlagen erhöhen würde. Mehr Methangas bedeutet mehr Energie, mehr Eigenenergieerzeugung bedeutet weniger Stromzukauf von außen – was wiederum geringere Betriebskosten bedeutet!

Und da sag noch mal einer, Abwasser sei nur Abfall…

 

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